#060: 3 Tipps, wie man sich gegen Gewalt wehren kann – Was sagen eigentlich die Zahlen?

In der letzten Folge sprach ich von abnehmendem Respekt vor Uniformträgern. Hierauf gab es zahlreiche Rückmeldungen. Das hat mich neugierig gemacht. Gibt es wirklich keine Fakten über diese Dinge? Doch. Feuerwehrmagazin und zahlreiche Medien haben dieses Thema aufgenommen und natürlich wird dann auch versucht, das mit Zahlen zu belegen. Es gibt eine Erhebung der Ruhr Uni in Bochum, die sich mit Gewalt an Einsatzkräften aus Feuerwehr und Rettungsdienst befasst. Aus dieser Studie sind 2 interessante Fakten hervorgegangen:
Die Kriminalstatistik der Polizei verzeichnet von 2011 bis heute eine Verdoppelung der Gewaltdelikte, wobei 2017 der Höhepunkt war und die Zahl 2018 zurückging.
Die Dunkelziffer ist allerdings erheblich höher als vermutet, so der Lehrstuhl der Ruhr-Uni. Mitte 2017 hatten die 4000 Helfer (Haupt- und ehrenamtlich) befragt. 812 davon haben den Fragebogen ausgefüllt.

Keine Spekulation darüber, warum nur 20,3 Prozent an der Studie teilgenommen haben. Aus meiner eigenen Karriere weiß ich aber, dass ich immer wieder diesen Dingen ausgesetzt war. Ich habe so etwas nie zur Anzeige gebracht, sondern zweimal damit gedroht, das wirkte schon. Ich bin einmal geschubst worden, was mir körperlich gar nix aus machte. Eher emotional, weil ich gerne…. Ihr wisst schon.
Ja natürlich haben wir auch Gefühle, auch im Einsatz, sogar Stadtbrandinspektoren. Das war es was mir tierisch auf den Sack gegangen ist, ich konnte mich nicht richtig wehren, musste staatsmännisch bleiben und nicht mal die Stimme heben, was mir ehrlicherweise nicht gelang. ABER, und jetzt kommt das große ABER, das war genau richtig. In verschiedenen Eskalationstrainings habe ich gelernt, dass die Aggressivität von Zeitgenossen deren Problem ist und nicht meines. Das braucht ein wenig, bis man das verstanden… und vor allem verinnerlicht hat.

Zum zweiten haben wir eine Methode angewandt, die unglaublich erfolgreich war. Wir haben nach dem Einsatz in der Funkzentrale noch zusammengesessen und wenn es nur für 15 Minuten war, und haben die Agros persifliert, heißt nachgeäfft. Dabei sind dann die wildesten Geschichten entstanden, wie z.B. einfach stehen lassen, den Schnellangriff in die Hand drücken und sagen, wir müssen los. Wir haben uns kaputtgelacht und das entspannt natürlich.

Der dritte Tipp ist der Schwierigste. Loslassen und gelassen sein. Denn wenn du darüber nachdenkst, dass sein/ihr Termin wichtiger ist als der Einsatz der Feuerwehr, dann ist er/sie eigentlich ein ganz armer, emotional kalter, vom Job getriebener Mensch. So wird er in der Familie, im Freundeskreis und überall agieren. Der dritte Tipp ist die Königsdisziplin im Umgang mit Meckerern, Mobbern usw. Deshalb werden wir den im E-Learning besondere Aufmerksamkeit schenken, soviel ist sicher. Und wenn das E-Learning-Programm einmal ausgerollt ist, können wir auch sehr bald selbst mit Zahlen (anonymisiert natürlich) helfen, wie das sich wirklich verhält mit den gesellschaftlichen Tendenzen. Bleibt ein Zusatztipp. Bei auch nur annähernder Gewalt, sofort die Behörde mit Gewaltmonopol einschalten, nämlich die Kameraden/innen der Polizei. Das ist definitiv deren Job, auch wenn wir über genug “Gerätschaften” verfügen, um das selbst regeln zu können. Im Glauben an eine sehr besinnliche Vorweihnachtszeit wünsche ich euch wenig Einsätze und die die zwangsläufig kommen, solltet ihr gut überstehen und gesund zu euren Liebsten zurückkommen.

Wir wünschen dir nun viel Spaß bei dieser Folge.

Dein Team von Brand Punkt, Hermann und Carina

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